Nicht nur ein Blickfang

Austausch mit Carsten Kracht über die Silphie

Mal zu trocken, mal zu nass, hier Sandboden und da Lehm – auf der eineinhalb Hektar großen Fläche von Landwirt Carsten Kracht an der Desteler Straße hat einst überhaupt nichts richtig wachsen wollen. Und genau das hat ihn dazu bewogen, mal etwas ganz neues auszuprobieren.

Durchwachsene Silphie heißt die besondere Pflanze, die nun auf der ganzen Fläche wächst und mit ihren großen, gelben Blüten ein echtes Paradies für Tiere darstellt. Angesichts der aktuellen Diskussion um den Rückgang der Insektenvielfalt hatte sich Bianca Winkelmann, CDU-Landtagsabgeordnete und Sprecherin ihrer Fraktion für Umwelt und Landwirtschaft, mit dem Landwirt verabredet, um über seine Erfahrung mit der noch sehr unbekannten Pflanze zu sprechen.

Rückgang der Biodiversität

„Der Erhalt der Artenvielfalt ist als Thema seit langem in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Bianca Winkelmann. „Und trotz vielfältiger Bemühungen von unterschiedlichen Akteuren sehen wir zurzeit weltweit einen wissenschaftlich belegbaren Rückgang der Biodiversität. Da müssen und da wollen wir gegensteuern“, so die Umweltpolitikerin, die deshalb den Kontakt zu Carsten Kracht gesucht hat.

Zeitlich hätte ihr Besuch auf dem Feld jedenfalls kaum passender sein können. Die Silphie stand gerade mitten in der Blüte. Ab Juni blüht sie etwa drei Monate lang. Wo man auch hinsah, flogen Bienen und Hummeln. Und hier liegt auch ein Vorteil der Silphie. „Sie ist natürlich ein toller Blickfang“, so Carsten Kracht. Aber das sei eben nur ein Argument für die Pflanze. Die Silphie kann vor allem genau wie Mais für Biogasanlagen oder als Viehfutter genutzt werden. „Die Bullen waren erst skeptisch, haben sich dann aber schnell daran gewöhnt“, erinnerte sich der Landwirt.

Keine Probleme mit Tockenheit

Inzwischen hat sich am Rande der Fläche ein Imker mit vier Bienenvölkern niedergelassen. „Da ist richtig Bewegung“, beschrieb er das tierische Treiben auf dem Feld. Neben Insekten sehe er auch regelmäßig Fasane, Rehe und Wildschweine zwischen den Pflanzen.

Auf der „EuroTier“ in Hannover hatte er von der neuen Pflanze zum ersten Mal erfahren und zu einem Unternehmen Kontakt aufgenommen, das die Silphie auf Feldern aussät. Im ersten Jahr wächst sie traditionell zusammen mit Mais und dann ohne. 2.100 Euro kostet die Silphie pro Hektar. „Zuerst wirkt das sehr teuer, aber die Silphie ist mehrjährig und es ist kein Pflanzenschutz nötig. Außerdem ist sie als Greening-Maßnahme anerkannt, das macht die Sache noch interessanter“, erklärte Carsten Kracht dem politischen Gast. Und noch ein Vorteil: Die Silphie, die ursprünglich in Nordamerika beheimatet ist, ist ein Korbblütler und hat mit langen Trockenperioden keine Probleme.

"Wir brauchen verlässliche Zahlen"

„Die Firma begleitet das Ganze auch wissenschaftlich“, fügte er hinzu und hier sieht Bianca Winkelmann auch eine wichtige Voraussetzung: „Wir brauchen verlässliche Zahlen und fundierte Erkenntnisse, um dem Artenschwund entgegenzuwirken. Ich bin dem NRW-Umweltministerium deshalb sehr dankbar, dass nun in einer Langzeitstudie bis 2022 die Entwicklung der Biomasse von Fluginsekten an 120 Standorten untersucht wird.“

„Ich bin mit der Silphie sehr zufrieden“, gab Carsten Kracht der Politikerin mit auf den Weg und er würde sich wünschen, sie häufiger zu sehen, auch auf städtischen Flächen: „Sie macht ja wenig Arbeit.“ Bianca Winkelmann nickte zustimmend. Um die Biodiversität zu verbessern, sieht sie die Silphie auf jeden Fall als eine gute Möglichkeit an: „Es freut mich insofern auch zu sehen, dass es mit Carsten Kracht einen echten Pionier im Mühlenkreis gibt. Das Beispiel von ihm zeigt einmal mehr, dass unsere Landwirte schon heute viel möglich machen, um den Insekten eine Heimat zu geben – etwa durch Blühstreifen. Passend dazu wollen wir uns im Bereich der gemeinsamen Agrarpolitik auf europäischer Ebene dafür stark machen, dass Landwirte mehr Geld für solchen Arten- und Umweltschutz erhalten. Mit Blick auf NRW muss es für das entsprechende Beratungsangebot der Landwirtschaftskammer eine sichere Finanzierung geben.“

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