Zwischen Hochbeet und Erziehermangel

Bianca Winkelmann verbringt einen halben Tag im "Zwergennest"

Was Feuerleute, Polizisten und Ärzte machen, wissen die Mädchen und Jungen im Kindergarten „Zwergennest“ schon ganz genau. Aber von der Arbeit einer Landtagsabgeordneten haben die Kinder bis jetzt noch nie gehört.

„Das ist so etwas wie eine Bürgermeisterin – nur für ganz viele Menschen“, hat Leiterin Anne Lankes-Dickler ihnen zuvor erklärt. Denn für diesen Vormittag hat sich mit Bianca Winkelmann eben eine solche Landtagsabgeordnete angekündigt.

Tag der Kinderbetreuung am 13. Mai

Anlass für den Besuch der Christdemokratin ist neben der aktuellen Diskussion um das Kinderbildungsgesetz in NRW auch der Tag der Kinderbetreuung am 13. Mai. „Manche Kinder haben auch gesagt, dass heute die Chefin von Deutschland kommt“, sagt Anne Lankes-Dickler und lacht. Doch die „Chefin“ gibt sich ganz bodenständig und setzt sich erst einmal auf den kleinen Stuhl im Raum der Waldzwerge: „Ich bin die Bianca und Ihr?“

Zunächst gibt es ein gemeinsames Frühstück. Dies sei in vielen Einrichtungen heute nicht mehr die Regel, so Leiterin Lankes-Dickler. Stattdessen solle jeder essen, wenn er oder sie Hunger habe. „Es geht uns dabei aber auch ein Stück weit um Tischkultur“, sagt die Erzieherin.

Zu wenig Personal

Danach geht es durch die Einrichtung mit vielen unterschiedlichen Räumen, einer neuen Küche und einem weitläufigen Garten. Zwischen dem Kaninchenauslauf und dem Schlafraum kommen die vielen politischen Themen ins Gespräch. Es geht um fehlende Erzieher, ein zu schlechtes Betreuungsverhältnis und mangelnde Planungssicherheit. Personal ließe sich im Grunde nur für ein Jahr einstellen, so Lankes-Dickler. „Man weiß ja nicht, wie viele Stunden die Eltern im nächsten Jahr buchen“, sagt die Pädagogin: „Da ist es kein Wunder, wenn keiner den Beruf ausüben will.“ Bianca Winkelmann sieht das ähnlich: „Wir werden viele dieser Probleme nur lösen können, indem mehr Geld ins System kommt“, gibt sie unmissverständlich zu verstehen und erntet zustimmendes Nicken auf allen Seiten.

Bianca Winkelmann weiter: „Deshalb haben wir als NRW-Koalition den Einrichtungen im Land auch mit dem Kita-Rettungspaket rasch und unbürokratisch mit 500 Millionen Euro geholfen.“ Im Falle des „Zwergennests“ sei die Summe eins zu eins an die Erzieherinnen gegangen, berichtet Svenja Wortmann. Sie ist Mutter eines Kindes in der Kita, zweite Vorsitzende des privaten Trägervereins und zuständig für die Personalorganisation: „Wenn es um die Neuanmeldungen geht, muss ich sieben oder acht Mal hin und her rechnen. Und wenn man dann noch finanziell eine zusätzliche Kraft einstellen kann, findet man keine Erzieher.“

Besonderes Angebot

„Wir nehmen einen Erzieher auch nicht um jeden Preis“, erklärt Lankes-Dickler. Die Chemie müsse stimmen und die Person auch zum „Zwergennest“ passen. Die Philosophie des privat getragenen Kindergartens steht direkt im Flur: „Begeistern statt belehren“. Die Kinder sollten spielerisch und einfach durch den Alltag lernen, erklärt Erzieherin Lisa-Marie Dreyer. Das ist zum Beispiel auch der Fall, als Bianca Winkelmann mit den ältesten Kindern am Mittag auf die nahegelegene Obstwiese des Kindergartens geht. Gemeinsam bepflanzen sie dort ein bienenfreundliches Hochbeet, die Bienenpatenschaft übernimmt Bianca Winkelmann dabei auch gleich mit und sie bereiten am Lagerfeuer Stockbrot zu.  „Hier können die Kinder auch mal Kinder sein“, meint Lisa-Marie Dreyer.

Nach einem halben Tag ist der Besuch für den politischen Gast dann zu Ende: „Das „Zwergennest“ ist eine ganz außergewöhnliche Einrichtung und bereitet Kinder besonders auf das Leben vor. Wie sehr mit der Natur gelebt wird, finde ich darüber hinaus sehr erfreulich“, lautet Winkelmanns zufriedenes Fazit. Und was nimmt sie politisch mit? „So ein halber Tag in der Kita hat mir einmal mehr deutlich gemacht, was unsere Erzieher für wichtige Arbeit leisten. Der Tag der Kinderbetreuung macht als Aktionstag zurecht darauf aufmerksam. Als NRW-Koalition müssen und werden wir verstärkt darauf Acht geben, dass es genügend Plätze und Personal gibt. Erst wenn die Situation in den Einrichtungen spürbar verbessert ist und Erzieher mehr Zeit mit den Kindern verbringen können statt am Schreibtisch, wird der Beruf wieder wirklich attraktiv.“

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